ERHÖHTE TROMBOSENEIGUNG DURCH COVID-19 PRÄVENTION NICHT AUßER ACHT LASSEN

schmerzende beine
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15. Februar 2021 – Dr. Uwe Schwichtenberg

Eine Covid-19-Erkrankung zieht neben den Atemwege auch das Blutgefäßsystem stark in Mitleidenschaft. Covid-19-Patienten zeigen eine verstärkte Blutgerinnung und häufiger auch Entzündungen der Blutgefäße. So kann es zu schwerwiegenden Komplikationen mit potenziell tödlichem Ausgang wie Thrombosen, Lungenembolien, Schlaganfällen oder Durchblutungsstörungen in den Armen oder Beinen kommen. Von einer prophylaktischen Therapie mit Aspirin, wie sie nach einer US-amerikanischen Studie diskutiert wurde, raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) allerdings ab.

Die wichtigsten Risikofaktoren für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion wurden bereits sehr früh im Verlauf der Pandemie identifiziert: Ein fortgeschrittenes Alter, männliches Geschlecht, Tabakkonsum, Bluthochdruck, Diabetes und starkes Übergewicht. „Dieselben Risikofaktoren gelten auch für Gefäßerkrankungen“, sagt Professor Dr. med. Markus Steinbauer, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg und Präsident der DGG 2021. Weil stationär aufgenommene oder gar intensivmedizinisch betreute Covid-19-Patienten in ihrer Bewegung eingeschränkt sind und damit einen weiteren Risikofaktor für thromboembolische Ereignisse aufweisen, profitieren sie besonders von Maßnahmen der Thromboseprophylaxe oder antithrombotischen Therapie.

Eine im Oktober in der Zeitschrift „Anaesthesia & Analgesia“ publizierte Studie, nach der niedrigdosiertes Aspirin den Covid-Verlauf bei Herz-Kreislauf-Patienten positiv beeinflussen könne, sei jedoch vorsichtig zu interpretieren: „Bei Patienten mit Gefäßerkrankungen erscheint ein Schutz durch die gerinnungshemmende Wirkung von Aspirin plausibel“, so Steinbauer. Gefäßgesunde Covid-19-Patienten vorbeugend mit Aspirin zu behandeln, lasse sich mit der Studie allerdings nicht rechtfertigen und berge aufgrund der erhöhten Blutungsgefahr sogar Risiken. Hierzu müssten weitere randomisierte, kontrollierte und prospektiv angelegte Studien aufgelegt werden.

In der gegenwärtigen Situation sieht die DGG außerdem die Gefahr, dass über der – notwendigen – Diskussion um Corona-Schutzmaßnahmen und -therapiemöglichkeiten andere Gesundheitsprobleme aus dem Blick geraten. „Die Einschränkung der Mobilität und des sozialen Lebens schützt zwar vor Infektionen, der Bewegungsmangel kann jedoch zugleich das Thromboserisiko steigern“, mahnt Professor Dr. med. Dittmar Böckler, DGG-Präsident 2020 und Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg. Sofern die infektiologische Lage es zulasse, müsse daher auch über eine Verkürzung der bislang 14-tägigen Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen nachgedacht werden.

Auch andere Lebensstilfaktoren, die für das Herz-Kreislauf-Risiko entscheidend sind, werden durch die Lockdown- und Quarantänebedingungen beeinflusst. „Je nach beruflicher und sozialer Situation haben manche Menschen während des ersten Lockdowns zu ungesünderem und üppigerem Essen gegriffen, mehr Alkohol getrunken und ihren Tabakkonsum gesteigert“, so Böckler. Auch und gerade in Pandemiezeiten müsse daher weiter über die Bedeutung eines gesunden Lebensstils berichtet und aufgeklärt werden – umso mehr, als es sich dabei um effektive und kostengünstige Präventionsmaßnahmen handele, die das aktuell stark strapazierte Gesundheitssystem entlasten könnten.

Hierbei könnten auch telemedizinische Methoden, Schrittzähler oder Gesundheitsapps zum Einsatz kommen, mit denen sich Bewegungs- und Übungsprogramme anleiten oder kontrollieren ließen. Neben den direkten Gesundheitseffekten wirke sich die Herz-Kreislauf-Prävention nicht zuletzt auch positiv auf den Verlauf der Corona-Pandemie aus: Je besser die kardiovaskuläre Gesundheit der Bevölkerung sei, desto geringer sei auch die Zahl der Covid-Risikopatienten.

Quelle: Pressemeldung Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG)

GERADE JETZT ZUR GÜRTELROSEIMPFUNG

Um sein Immunsystem in der Pandemie nicht zusätzlich zu belasten, sollte man gerade jetzt versuchen, vermeidbare Krankheiten wie Gürtelrose vorzubeugen. Foto: djd/GlaxoSmithKline/Shutterstock/Yuganov Konstantin

Vorsorge in der Pandemie: Mit 60 plus ist das besonders wichtig

(djd.) Mit immer neuen Virus-Mutationen bestimmt Corona derzeit unser tägliches Leben und Handeln. Damit unser Immunsystem nicht zusätzlich belastet wird, ist es sinnvoll, andere Infektionskrankheiten möglichst zu vermeiden. Mit über 300.000 Fällen jährlich gehört beispielsweise die Gürtelrose zu den meistverbreiteten Viruserkrankungen in Deutschland. Und sie ist keinesfalls harmlos: Nicht wenige Betroffene erleiden schwere und äußerst schmerzhafte Verläufe, die eine längere Behandlung oder sogar einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen. Da alle Menschen, die in ihrem Leben an Windpocken erkrankt sind, den Gürtelroseerreger in sich tragen, lässt sich die Erkrankung auch nicht durch die bewährten AHA-Regeln verhindern. Deshalb ist es gerade jetzt empfehlenswert, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen.

Schutz und Solidarität

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt vor diesem Hintergrund eine Gürtelroseimpfung für Personen ab 50 Jahren mit einer Grunderkrankung oder Immunschwäche sowie für alle Menschen ab 60 Jahren. Ausführliche Informationen dazu gibt es auch unter www.impfen.de/guertelrose. Sicher ist jedoch: Wer zu einer dieser Gruppen gehört, sollte zeitnah mit seinem Hausarzt über eine mögliche Impfung sprechen. Denn sie bewahrt nicht nur vor starken Schmerzen und etwaigen Langzeitfolgen wie der sogenannten Post-Zoster-Neuralgie, sondern hält auch Kapazitäten im Gesundheitssystem frei. Diese werden zur Behandlung von anderen Infektionskrankheiten und Leiden wie Krebs oder Herzkreislauf-Beschwerden benötigt. Damit hat die Impfung nicht nur eine persönliche Dimension, sondern auch solidarische Aspekte.

Alter als Risikofaktor

Zudem betrifft das erhöhte Risiko für den Ausbruch einer Gürtelrose überwiegend die gleichen Gruppen, die auch stärker gefährdet für schwere Verläufe bei einer Covid-19-Erkrankung sind. Das ist kein Zufall, denn mit dem Alter lässt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nach – Mediziner sprechen von Immunoseneszenz. Ab etwa 50 Jahren zeigt sich dieser Effekt immer stärker: Man wird anfälliger für Krankheiten und erholt sich auch schwerer wieder davon. Prävention wird dann zunehmend wichtiger, um die eigene Abwehr schlagkräftig zu unterstützen.

MIT HÄNDEN HEILEN

Mit Osteopathie können Blockaden sanft gelöst werden

Bild Osteopath
Bei einer osteopathischen Behandlung werden Blockaden und Fehlfunktionen mit den Händen erspürt und sanft behoben. Foto: djd/www.bkk24.de/contrastwerkstatt – stock.adobe.com

(djd). Deutschland verfügt über ein hervorragendes Gesundheitssystem, das jedem Zugang zu Ärzten, Therapien und Medikamenten gewährt. Dennoch fehlt vielen Menschen etwas. Sie wünschen sich zusätzlich zu den üblichen schulmedizinischen Methoden naturheilkundliche und komplementärmedizinische Behandlungsformen, die als sanfter und ganzheitlicher orientiert gelten. Die Osteopathie etwa lässt sich gut mit der konventionellen Medizin kombinieren und sollte, so Professor Brinkhaus von der Charité Berlin, „unbedingt noch eingehender wissenschaftlich untersucht werden, damit die positiven Erfahrungen auch in Studien belegt werden.“ Fast jeder fünfte Bürger ab 14 Jahren hat für sich selbst oder für sein Kind diese Therapieform bereits genutzt, wie eine Forsa-Umfrage von 2018 im Auftrag des Verbandes der Osteopathen Deutschland ergab.

Fehlfunktionen erspüren

Die Osteopathie wurde vor mehr als 140 Jahren vom amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet. Sie geht davon aus, dass alle Strukturen im menschlichen Körper miteinander zusammenhängen und eine Einheit bilden. Blockaden oder Bewegungseinschränkungen in Muskeln und Gelenken können deshalb zu Beschwerden auch an ganz anderer Stelle führen. „Ein Ziel einer Behandlung kann es sein, diese Blockaden zu lösen und funktionelle Beschwerden an dieser Stelle oder an anderen Stellen des Körpers damit zu beeinflussen“, erklärt Dr. Gabriele Rotter, Fachärztin für Orthopädie, M. Sc. in Osteopathie und Mitarbeiterin im Charité-Team von Prof. Brinkhaus.

Bis zu etwa eine Stunde dauert eine Therapiesitzung, meist sind mehrere erforderlich. Viele Patienten müssen die Kosten dafür allerdings aus eigener Tasche zahlen, denn Osteopathie gehört nicht zu den gesetzlichen Leistungen der Krankenkassen. Hier gibt es jedoch große Unterschiede. So erstattet zum Beispiel die BKK24 sechsmal im Jahr 80 Prozent des Rechnungsbetrages bis zu einer Höhe von 60,00 Euro pro Sitzung, insgesamt also bis zu 360,00 Euro. Auch für weitere komplementärmedizinische Therapieverfahren wie Akupunktur, Chiropraktik und Homöopathie gibt es Zuschüsse – unter www.bkk24.de ist ein Überblick zu finden. Ein Blick in die eigenen Kassenleistungen ist also immer lohnenswert.

Gute Qualifikation zählt

Ebenfalls achten sollten Patienten auf die Qualifikation des Osteopathen. „Um Fehlfunktionen alleine durch Tasten zu erkennen und mit den richtigen Techniken zu behandeln, braucht es jahrelange Übung und ein fundiertes anatomisches Wissen“, so Rotter. Leider sei die Ausbildung bis heute nicht einheitlich geregelt. „Im Zweifel sollte man bei seiner Krankenkasse nachfragen, ob der gewünschte Osteopath dort anerkannt ist.“

HERZLICHE FÜRSORGE

Bild Prof. Birgit Assmuss
Professor Birgit Assmus: „Der Blutdruck in den Lungenarterien ist ein wichtiger Indikator für den gesundheitlichen Zustand bei Patienten mit Herzschwäche.“
Foto: djd/Abbott

Modernes Telemonitoring-Verfahren kann Therapie bei Herzschwäche optimieren

(djd). Jedes Jahr kommen fast eine halbe Million Menschen aufgrund von Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ins Krankenhaus und müssen stationär behandelt werden – Tendenz steigend. Dennoch wird die Erkrankung noch immer unterschätzt. „Betroffene nehmen diese Diagnose anfangs häufig auf die leichte Schulter. Dabei haben Menschen mit unbehandelter Herzschwäche eine ebenso schlechte Prognose wie Tumorpatienten“, erklärt Professor Dr. Birgit Aßmus vom Universitätsklinikum Gießen. Entsprechend wichtig ist eine kontinuierliche Beobachtung und Versorgung der Patienten.

Herzschwäche: Anzeichen im Blick behalten

Nicht bei allen äußert sich die verminderte Pumpleistung des Herzens auf die gleiche Weise. Während sich die Krankheit in einigen Fällen über Jahre hinweg versteckt entwickelt, zeigen sich in anderen Fällen deutliche Symptome wie Atemnot, Leistungseinschränkung oder sogar Wassereinlagerungen in den Beinen und der Lunge. „Neben der schwierigen Erkennbarkeit der Krankheit ist eines der Hauptprobleme, dass in der häuslichen und ambulanten Überwachung geringe Veränderungen oft zu spät entdeckt werden“, so Professor Aßmus. Häufig ähnelten die Symptome der Herzinsuffizienz den Beschwerden, die vergleichbar mit den normalen Auswirkungen des Alterungsprozesses seien. Ein Druckanstieg in den großen Lungengefäßen indes deutet meist schon Wochen zuvor die drohende Entgleisung an – früh genug, um durch eine geeignete vorbeugende Therapieanpassung einen weiteren Krankenhausaufenthalt oder Schlimmeres zu verhindern.

Überwachung aus der Ferne

Um den Pulmonalarteriendruck genau festzustellen, war bisher eine invasive Rechtsherzkatheteruntersuchung beim behandelnden Arzt im Krankenhaus nötig. Eine Fernüberwachung hingegen kann Betroffenen nun auch im häuslichen Umfeld Sicherheit bieten. Mit einem modernen Telemonitoring-Verfahren wie dem CardioMEMS HF-System von Abbott lassen sich die Druckwerte der Patienten kontinuierlich überwachen. Der drahtlose Miniatursensor wird durch einen kleinen Eingriff über einen Katheter in die Lungenarterie eingesetzt und kann dort lebenslang verbleiben. In regelmäßigen Abständen erkennt er selbst geringe Veränderungen in den Druckwerten. Per Funkverbindung sendet der Sensor die Daten an eine sichere, für Dritte nicht zugängliche Internetseite, die vom Arzt eingesehen werden kann. So hat der Mediziner die Möglichkeit, die Medikationswirkung zu kontrollieren und bei potenziellen Auffälligkeiten in der Herztätigkeit schnell einzugreifen. „Besonders als Ergänzung zur Versorgung durch den vertrauten Haus- und Facharzt gewinnt diese Art der telemedizinischen Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten an Bedeutung“, sagt Professor Aßmus.

WAS SCHMERZEN MIT UNS MACHEN

Patientin hat Angst vor Spritze
Gefühle wie Angst oder Kontrollverlust können die Schmerzwahrnehmung etwa bei einer Spritze verstärken. Foto: djd/www.paedia.de/Getty Images/Yuri Arcurs

Schmerzerfahrungen in der Kindheit können sich tief ins Gedächtnis eingraben

(djd). Die gleiche Verletzung, der gleiche Schmerz? So einfach ist es nicht. Denn der menschliche Körper ist keine Maschine, die auf einen bestimmten Reiz mit einer exakt vorhersehbaren Reaktion antwortet. Schließlich kennt jeder Menschen, die „hart im Nehmen“ und anscheinend nur wenig schmerzempfindlich sind, während andere schon beim kleinsten Anlass aufschreien. Neben körperlichen Unterschieden haben hier auch Gefühle einen großen Anteil. Denn Studien haben gezeigt, dass Emotionen eine wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung spielen. So wird das Schmerzempfinden unter anderem durch die Erwartungshaltung beeinflusst – und negative Gefühle wie Angst und Kontrollverlust können das Leiden deutlich verstärken.

Spuren im Nervensystem

Die Ursachen für diese Ängste liegen oft in der Vergangenheit. Denn Schmerzen hinterlassen Spuren im Nervensystem und können es nachhaltig beeinflussen, sodass es zum Beispiel deutlich empfindlicher reagiert. Man spricht auch vom Schmerzgedächtnis. Die Folge ist oft ein starkes Vermeidungsverhalten in bestimmten Situationen. Ein Beispiel für solche Zusammenhänge ist die Spritzen- beziehungsweise Nadelphobie. Studien zufolge gehören für Kinder Nadeleingriffe zu den gefürchtetsten und schmerzhaftesten Erlebnissen bei Krankenhausaufenthalten. Da bei den Kleinen die schmerzhemmenden Systeme noch nicht ausgereift sind, kann dies zu einer dauerhaften Überempfindlichkeit führen – und damit zur panischen Angst vor weiteren Spritzen. Um dem vorzubeugen, wird unter anderem der Einsatz von schmerzlindernden Maßnahmen empfohlen. Bei Impfungen, Injektionen und Blutabnahmen hat sich die Betäubung der Haut mit einer Wirkstoffkombination aus Lidocain und Prilocain bewährt, die etwa im Schmerzpflaster Tapfi enthalten sind. Das Pflaster wird einfach eine Stunde vor dem Nadelstich auf die betroffene Hautstelle geklebt und macht den Eingriff praktisch schmerzfrei – Informationen zur Anwendung gibt es unter www.paedia.de. Der Pflaster ist gut verträglich, ab Geburt einsetzbar und rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Nachwirkungen bis ins Erwachsenenalter

Haben sich die Schmerzerfahrungen erst einmal festgesetzt, können sie auch im späteren Leben nachhaltige Auswirkungen haben. So leiden immerhin fast vier von zehn Erwachsenen unter Impf- und Nadelangst. Die Folge ist nicht selten, dass Impfungen und wichtige Arztbesuche gemieden werden, was schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit haben kann. Ein passendes Therapiemanagement mit Aufklärung, Beruhigung und örtlicher Betäubung zur Verringerung der Schmerzangst kann dann für Linderung sorgen.

ENTZÜNDUNGEN BESSER VERSTEHEN

Röntgenbild Entzündungen

Ein Biosensor als Schlüssel: Ein neues Forschungsprojekt könnte Patienten mit grauem Star oder auch mit chronischen Nierenerkrankungen neue Hoffnung geben.

Regensburg (obx-medizindirekt) – Es ist ein visionäres Projekt, und das zeigt sich nicht nur im Namen: Das internationale Forschungsprojekt „SciFiMed“ will in den kommenden vier Jahren einen Biosensor entwickeln, der dabei hilft, Entzündungsreaktionen im Körper besser zu charakterisieren. Das Ziel: die Diagnose und Therapie bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen zu verbessern. Die Europäische Kommission fördert das Projekt mit Beteiligten aus vier europäischen Ländern mit insgesamt mehr als 3,5 Millionen Euro für vier Jahre von 2021 bis 2024. Einer der vier Projektpartner ist die ostbayerische Universität Regensburg.

Die Uni Regensburg erhält knapp 700.000 Euro aus dem Projektbudget. Empfängerin ist die Professorin Antje J. Baeumner, Leiterin des Lehrstuhls für Analytische Chemie, Chemo- und Biosensorik. Die Koordination von SciFiMed („Screening of inFlammation to enable personalized Medicine“) liegt an der Universität Marburg bei Professorin Diana Pauly. Sie arbeitete bis vor kurzem am Universitätsklinikum Regensburg. Bei SciFiMed arbeiten Experten aus der Chemie, Genetik, Immunologie, Nephrologie und Augenheilkunde mit Firmen zusammen. Neben den Universitäten Regensburg und Marburg sind Hochschulen in Madrid und Budapest sowie Biotechnologieunternehmen und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und den Niederlanden an dem Forschungsprojekt beteiligt.  

Profitieren könnten davon zum Beispiel Menschen mit Makula-Degeneration, einer Augenerkrankung, an der europaweit etwa 15 Millionen ältere Menschen leiden. Fast die Hälfte von ihnen verliert im Lauf der Erkrankung große Teile des Sichtfelds. Heilbar ist die Krankheit bisher nur teilweise, ebenso wenig wie bestimmte chronische Nierenentzündungen und spezielle Formen bakterieller Infektionen. All diesen Krankheiten gemeinsam ist eine fehlerhafte Regulierung des sogenannten Komplementsystems, einem Bestandteil des angeborenen Immunsystems. „Im Moment wissen wir noch wenig darüber, welche Rolle das Komplementsystem im Entstehungsprozess all dieser Pathologien spielt – zu wenig, um diese Erkrankungen effektiv verhindern, diagnostizieren oder behandeln zu können“, sagt Professorin Pauly.

Nach gegenwärtigem Stand der Forschung spielen der Komplementfaktor H und damit verwandte Proteine eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von systemischen und organspezifischen Krankheiten. Die Funktionsweise des Faktors H ist gut erforscht, die der mit ihm verwandten Proteine jedoch größtenteils unbekannt – ebenso wie ihr Einfluss auf die verschiedenen krankheitsspezifischen, pathogenen Mechanismen. SciFiMed wird den Einfluss, den die mit dem Komplementfaktor H verwandten Proteine auf die Entstehung von Krankheiten haben, untersuchen. „Biosensoren auf der Basis von Nanovesikeln werden hier eine zentrale Rolle spielen, um die funktionelle Aktivität der Proteine bestimmen zu können“, erklärt Wissenschaftlerin Baeumner.

Die Ergebnisse sollen anschließend in die Entstehung eines Multiplex-Detektionssystems einfließen, mit dessen Hilfe Patientenproben gleichzeitig auf die funktionelle Aktivität und Menge aller sieben Mitglieder der untersuchten Proteinfamilie untersucht werden können. Diese neu entwickelte Diagnosetechnik soll Medizinern künftig vor Ort, in ihrer Praxis oder im Krankenhaus zur Verfügung stehen.