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Hitzestress Gefahr für Lungenkranke Patienten

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Steigender Hitzestress erhöht Sterberisiko bei Patienten mit Lungenkrankheiten in Zeiten des Klimawandels

Berlin – Sommerliche Hitzewellen erhöhen das zusätzliche tägliche Sterberisiko bei Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankungen (COPD) um bis zu 14 Prozent, bei längeren Hitzewellen bis zu 43 Prozent. Immer häufiger kommt es an heißen Tagen zu Verschlechterungen im Krankheitsverlauf, die nicht selten mit einer Aufnahme ins Krankenhaus enden. Aber auch Asthma-Patienten und Pollenallergiker leiden unter den steigenden Temperaturen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) empfiehlt daher, Frühwarn- und Interventionssysteme zu erarbeiten und Lungenpatienten während der Sommermonate telemedizinisch zu betreuen. Wie das veränderte Klima Lungenpatienten belastet und wie diese vor den Folgen geschützt werden können, diskutieren Lungenfachärzte auf einer Pressekonferenz am 15. März 2017 in Berlin.

Zwischen drei und fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Dabei kommt es zu chronischen Entzündungen in der Lunge, die immer mehr gesundes Lungengewebe abbauen. Verschlechterungen der COPD – sogenannte Exazerbationen – treten in Schüben auf und gehen mit Atemnot, Husten oder Schleimbildung einher. Nicht selten werden die Symptome so schlimm, dass die Betroffenen ins Krankenhaus müssen. „Exazerbationen, häufen sich einerseits an Hitzetagen und anderseits in der kalten Jahreszeit, erklärt Professor Dr. med. Christian Witt, Pneumologe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Durch die Zunahme von Hitzewellen und -tagen kommt es zusätzlich auch im Sommer zu einem Anstieg der Exazerbationen“, so der Experte. Lungenerkrankungen sind im Sommer mittlerweile der wichtigste Grund für Notaufnahmen ins Krankenhaus. Beobachtungen von COPD-Patienten während der Sommermonate zeigen, dass sehr heiße Tage von 25 Grad Celsius oder mehr das Wohlbefinden und die Belastbarkeit von Lungenpatienten deutlich verringern. Bei Hitze gibt der Körper nicht nur über die Haut, sondern auch über die Lunge Wärme ab – die Atemfrequenz erhöht sich leicht. Bei COPD-Patienten, deren Lunge durch die Erkrankung bereits stark geschädigt ist, ist dieser Wärmetransport jedoch eingeschränkt.

Führende Klimamodelle sagen vorher, dass ab 2050 jeder zweite Sommer in Hitzewellen verlaufen wird: „Vor allem in den Großstädten, wo die Hitze sich besonders stark staut, kann dies weitreichende Folgen für die Lungenpatienten haben“, warnt Professor Dr. med. Martin Kohlhäufl, Tagungspräsident des 58. DGP-Kongresses. „Wir brauchen deshalb Strategien, um Lungenpatienten während der heißen Sommermonate besser zu unterstützen, beispielsweise durch eine zusätzliche telemedizinische Betreuung.“ So könne der Zustand der Patienten rund um die Uhr – auch zu Hause – beobachtet werden, so dass der Arzt bei einer drohenden Verschlechterung schneller eingreifen kann. Im Krankenhaus erholen sich Lungenpatienten schneller, wenn sie in gut klimatisierten Zimmern untergebracht sind, wie eine Untersuchung der Charité – Universitätsmedizin Berlin zeigt.

Ähnlich wie bei der COPD erwarten Experten vom Klimawandel auch häufigere Komplikationen bei Asthma-Patienten und Pollenallergikern. Über die Hintergründe sprechen Experten auf dem Kongress der DGP vom 22. bis 25. März unter Leitung der Kongresspräsidenten Professor Dr. med. Martin Hetzel und Professor Dr. med. Martin Kohlhäufl.


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